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Wir hatten also einen Termin bei diesem Notar. Es ging um Grandfathers Opas Haus, das muß an Erklärung reichen. Alle Einzelheiten würden hier den Rahmen sprengen.
Als wir alle so nach und nach im Wartezimmer eingetrudelt sind, ist uns aufgefallen, daß Hinze noch nicht da ist. Das ist ja eigentlich nicht sonderlich ungewöhnlich, denn mit der Pünktlichkeit haben wir es alle nicht so. Aber nach ner halben Stunde machten wir uns dann doch etwas Gedanken. Wo bleibt die nur? Während wir so rum alberten fiel auch irgendwann mal der Spruch: Paß auf, Hinze sitzt in Kircheib und verkauft Wohnwagen! Gökes kam dann auf die grandiose Idee mal bei den Wohnwagen in Kircheib anzurufen, um Gökes Mann zu fragen, wo Hinze bleibt. Alle Augen waren auf Gökes und ihr Handy gerichtet, man erkannte in ihrem Gesichtsausdruck das Freizeichen! Dann, für den Bruchteil einer Sekunde, vergrößerten sich Gökes’ Augen, es erschien ein großes, imaginäres Fragezeichen über ihrem Kopf, und über ihre Lippen kam ein vorsichtiges, völlig überraschendes: “Hinze????” Totenstille im Raum! Das kann doch wohl nicht sein? Dieser Termin steht seit Monaten fest! Sogar Kaspers Doochder in Wiesbaden wußte davon, obwohl sie sonst nichts mitbekommt! Man hörte Gökes sagen: “ Kann et sin, dat wir hee beem Notar op dich waaden?” Hinze antwortet mit: “ Joooo? <fingerinmundwinkelsteck> Wor dat hück? Dat hät mir kejner gesaat!” Halloooo? Wir reden seit Wochen von nichts anderem! Da Hinze so spontan keine qualifizierte Wohnmobilverkaufskraft fand, mußten wir also auf sie verzichten. Natürlich nur mit dem Versprechen, daß sie später die Unterschrift beim Ne-Notar leistet!
Es konnte jetzt endlich los gehen. Wir hockten uns auf die Stühle, welche wie im Kindergarten in einem Halbkreis um den Lehrer...ääh....Notar aufgestellt waren und lauschten andächtig dem Notar. Zur Sicherheit hatten wir ja Kaspers Frau mitgenommen, die ist zum einen keine geborene Heck, und zum anderen in der Immobilienbranche tätig. Der Ne-Notar begann also mit seinem Programm, welches daraus bestand, in einer atemberaubenden Geschwindigkeit dutzende von Blättern vorzulesen. Dieser Text enthielt ungefähr 4,37 Millionen Fremdwörter und mindestens ebenso viele Ne’s. Zwischendurch fragte er: “Alles Verstanden, oder irgendwelche Fragen?” Natürlich hatten wir Fragen....besser gesagt nur eine Frage: Was zum Teufel willst du von uns??? Aber statt dies zu sagen, haben wir nur brav mit dem Kopf genickt, in der Hoffnung, daß die ganze Scheiße dann schneller vorbei ist. Irgendwann hat unser Gehirn dann auch völlig ausgesetzt, und wir verbrachten die Zeit damit, den Notar einfach nur möglichst interessiert anzugucken, und zwischendurch ein bißchen zu nicken.
Gegen Ende wurd es dann nochmal so richtig lustig. Da wurde nämlich festgestellt, daß irgendwie, irgendwelche wichtigen Unterlagen nicht auffindbar waren. Endlich hat sich das Blatt gewendet! Jetzt waren nämlich nicht mehr wir die Dummen, sondern jetzt kam der Ne-Notar mal ganz schön ins Schwitzen! Einige von uns hätten sicher gerne gesagt: Also sowas unprofessionelles hab ich ja noch nie erlebt, laß uns gehen.......aber das hätte uns ja nicht so wirklich weiter geholfen. Auch in diesem Vertrag, den wir unterschreiben mußten, war ein Fehler. Eigentlich sollte da stehen, daß Grandfather Opa ein lebenslanges Wohnrecht in einer der Wohnungen haben soll, aber in Wirklichkeit stand da, daß er lebenslanges Wohnrecht im Hühnerstall hat. Im übertragenen Sinne hält Grandfather Opa sich ja gerne inmitten Massen von Hühnern auf, aber damit sind dann eher die ohne Federn und Schnabel gemeint. Oh Mann, jetzt muß das alles auch noch geändert werden......mittlerweile hockten wir schon knapp zwei Stunden darum.
Endlich wurden wir von unserem Leiden erlöst und durften den geänderten Vertrag unterschreiben. Am liebsten hätten wir alle gleichzeitig unterschrieben, weil wir schnellstmöglich nach draußen wollten. Zum ersten, weil unsere Lungen schon seit 1,5 Stunden nach Nikotin geschrieen haben und zweitens weil jeder vom anderen erklärt bekommen wollte, wörüber eigentlich da oben geredet worden ist.
Nachdem wir tragischerweise feststellen mußten, daß nicht ein einziger von uns irgendetwas gerafft hat, rauchten wir einfach unsere Zigaretten weiter, und gingen ins nächste Bistro, um endlich einen Kaffee zu bekommen!
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